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Superreiche sagen Adieu

Europa gilt für viele Einwanderer als «das gelobte Land». Darüber berichten die Medien täglich. Doch während über diese Migration eine intensive und bisweilen gehässige Diskussion geführt wird, findet von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt eine Wanderbewegung in eine ganz andere Richtung statt.

Tausende von Millionären verlassen derzeit Europa. Wie die Global Wealth Migration Review des Marktforschungsinstituts Research and Markets im April aufzeigte, haben 2016 alleine 12'000 Millionäre Frankreich den Rücken gekehrt. Damit steht unser westlicher Nachbar in Europa an der Spitze. Insgesamt verliessen weltweit 82 000 Superreiche ihre Länder. Es zog sie nach Australien (11'000 Neuzuzüge von Superreichen), in die USA (10'000) oder nach Kanada (8000).

Reaz H. Jafri, Partner bei der New Yorker Firma Withers Worldwide, einem Rechtsbüro, das sich darauf spezialisiert hat, Superreichen weltweit neue Domizile zu beschaffen, hielt jüngst in der New York Times fest, die reichsten Leute seien «völlig mobil». Damit spricht der Umsiedlungsspezialist einen wichtigen Punkt an, der in Diskussionen um das Thema oftmals vergessen geht.

Wie rasch die sehr Vermögenden mitunter ihren Wohnort wechseln, hat nämlich auch schon der Kanton Baselland erfahren. 2013, nur ein Jahr nachdem das Baselbiet die Pauschalbesteuerung für sehr vermögende Personen abgeschafft hatte, war bereits die Hälfte der Ausländerinnen und Ausländer weggezogen, die von der Regeländerung betroffenen waren (8 von 16). Die Mindereinnahmen wurden damals vom Kanton Basel-Landschaft auf rund 750'000 Franken berechnet.

Das Beispiel aus dem Baselbiet zeigt zweierlei auf. Erstens: Superreiche sind tatsächlich supermobil. Zweitens: Superreiche zu verlieren, geht ins Geld. Und zwar für uns andere, die zurückbleiben. Schon aus diesem Grund gilt es, auch den Vermögenden Sorge zu tragen. Die Erfahrung im Baselbiet lehrt uns, dass die steuerliche Situation ein wichtiges Kriterium für den Wohnsitzentscheid dieser Leute darstellt – auch wenn die jüngste Global Wealth Migration Review durchaus eine Verschiebung der Motive von der reinen Steueroptimierung hin zum Bedürfnis nach Stabilität feststellt.

So berichtete Robert Frank, der Vermögensspezialist bei CNBC und Autor des Werks «Richistan», in der New York Times vom 25. Februar 2017, dass Migrationsfachleute bei den reichen Auswanderern auch neue Motive für den Wohnortwechsel registrieren. Während Jahrzehnten hätten die Reichen und Superreichen gerne Steuerhäfen aufgesucht. Heute werde vermehrt auch darauf geachtet, dass es sich um stabile Länder handle.

Dies mag erklären, warum Frankreich bei diesen Leuten in jüngster Zeit weniger beliebt ist als in der Vergangenheit. Zu den hohen Steuern, einem wenig erbaulichen Wirtschaftswachstum und einer Arbeitslosenquote von gegen zehn Prozent kommen bei unserem westlichen Nachbarn nämlich immer wieder Ausschreitungen – ja regelrechte Strassenschlachten, etwa in den Banlieues von Paris.Wenn die Superreichen in grossem Stil «Adieu!» sagen, ist dies ein ernsthaftes Problem. Man sollte es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Natürlich kann man kalauern. Natürlich kann man scherzhafte Titel über entsprechende Artikel setzen. «Millionäre gehen: Die Nerze verlassen das sinkende Schiff». So lautete die Überschrift über der Berichterstattung des deutschen Nachrichtenmagazins Stern zu diesem Thema.

Doch leider hilft in diesem Fall Galgenhumor nicht weiter. Um die Superreichen und damit Supermobilen zu halten, sind entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen – sowohl steuerlich als auch in punkto Stabilität. Noch sind wir in der Schweiz vergleichsweise gut aufgestellt. Sorgen wir dafür, dass dies so bleibt.


Reposted byp856 p856

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