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Zivilisation vor dem Kollaps?Stanford-Professor warnt: Das 6. globale Massenaussterben ist in vollem Gang


Der Untergang der menschlichen Zivilisation in den kommenden Jahrzehnten sei „nahezu gewiss“. Das sagt der Biologe Paul Ehrlich voraus, der an der renommierten amerikanischen Stanford University forscht.

Die Menschheit beraube sich durch zügellosen Konsum, Übernutzung aller Ressourcen sowie das ungebremste Wachstum der Weltbevölkerungihrer natürlichen Lebensgrundlagen, sagt Biologe Paul Ehrlich. Dadurch vernichte sie sich letztendlich selbst. Es ist nicht das erste Mal, dass der Wissenschaftler gefährliche Entwicklungen anprangert. So wies er in seinem Bestseller„Die Bevölkerungsbombe“, den er mit seiner Frau Anne vor 50 Jahren publizierte, auf drohende Hungersnöte hin.

In den 1970-er und 1980-er Jahren, so prognostizierte er, würden hunderte von Millionen Menschen verhungern. Doch mit seiner Vorhersage lag er daneben, denn in Wahrheit sanken die Sterberaten. Daraufhin räumte Ehrlich ein, das Ausmaß von Hungersnöten überschätzt zu haben, weil er den Erfolg der „Grünen Revolution“ unterschätzt habe. Tatsächlich stieg durch den Einsatz von synthetischem Dünger und Agrarchemikaliendie Nahrungsproduktion an, so dass zwischen 1968 und 2010 „nur“ ungefähr 300 Millionen Menschen verhungerten. Die neue Intensivlandwirtschaft habe aber ihrerseits negative Auswirkungen auf die Umwelt.

Vergiftung des Planeten mit Ackergiften

Daran knüpft der Stanford-Forscher jetzt an. Die Vergiftung des Planeten mit Ackergiften und anderen Chemikalien sei für die Menschen und die Natur vielleicht noch gefährlicher als die globale Erwärmung,erklärte er in einem Interview mit dem britischen „Guardian“. Die chemische Umweltverschmutzung habe längst auch die fernsten Winkel unseres Planeten erreicht. „Es gibt Anzeichen dafür, dass die Gifte die Intelligenz von Kindern verringern“, sagt Ehrlich. „Die Angehörigen der ersten stark beeinträchtigten Generation sind jetzt Erwachsene.“

Dies kommentiert der mittlerweile 85-Jährige mit grimmigem Humor: „Die erste empirische Evidenz, dass wir den Homo sapiensverdummen, lieferten die Debatten der Republikaner im US-Präsidentschaftswahlkampf von 2016 – ebenso wie die daraus resultierende Kakistokratie.“ Gemeint ist damit die Herrschaft der Schlechtesten.

„Milliarden Menschen hungern oder sind unterernährt“

Das gehe Hand in Hand mit den anderen Menschheitsrisiken. „Das Bevölkerungswachstum im Verein mit dem überbordenden Pro-Kopf-Konsum treibt unsere Zivilisation über die Klippe“, klagt Ehrlich. „Milliarden Menschen hungern oder sind unterernährt, und auch der Klimawandel tötet Menschen.“ Die optimale Zahl der Erdenbewohner von unter zwei Milliarden sei längst weit überschritten.

Tatsächlich bevölkerten laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zu Beginn dieses Jahres 7,6 Milliarden Menschen unseren Planeten.Das sind rund 83 Millionen mehr als im Jahr zuvor, was in etwa der Bevölkerung Deutschlands entspricht. Im Jahr 2100 könnten nach einer Projektion der Vereinten Nationen 11,2 Milliarden Menschen leben, davon fast zehn Milliarden in Entwicklungsländern. Bei dieser Prognose ist jedoch eine zunehmende Geburtenkontrolle berücksichtigt.

Das 6. globale Massensterben ist in vollem Gang: „Der Kollaps ist gewiss“

Wüchse die Menschheit ungebremst, wären es rund zwanzig Milliarden. Dann würde es auf dem Globus ungemütlich eng. „Der Kollaps in den nächsten Dekaden ist ziemlich gewiss, und das Risiko steigt kontinuierlich, so lange stetes Wachstum das Ziel aller wirtschaftlichen und politischen Systeme ist“, konstatiert Ehrlich. „Andauerndes Wachstum ist aber das Merkmal von Krebszellen.“

Ein weiterer entscheidender Faktor ist dem Stanford-Biologen zufolge der enorme Konsum der Wohlhabenden.In Kombination mit der hohen Bevölkerungszahl führe er zur Zerstörung der Natur. Eine Studie von 2017, an der Ehrlich mitwirkte, kommt zu dem Schluss, dass das sechste globale Massenaussterben der Erdgeschichte bereits voll in Gang ist.

Hatten die ersten fünf Aussterbeereignisse noch natürliche Ursachen wie Vulkanausbrüche oder den der Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren,die Saurierauslöschte, so ist es diesmal der unheilvolle Einfluss des Menschen.

Die Studienautoren berichten, dass bereits Milliarden einzelner Tier- und Pflanzenpopulationen verschwanden. Dies gleiche einer „biologischen Annihilation“ und bedeute einen „erschreckenden Angriff auf die Grundlagen der menschlichen Zivilisation“, die von sauberer Luft, Wasser und Lebensmitteln abhänge.

Autoren untersuchten 122 Länder

Doch je länger die Menschheit weitermacht wie bisher, desto weniger Menschen könnten in der Folge ein nachhaltiges Leben führen, nämlich gerade 1,5 bis zwei Milliarden. Eine weitere große Bedrohung streift Ehrlich nur kurz: die globale Erwärmung.Doch diese reduziert die Tragfähigkeit der Erde weiter. Eine Studie, die jüngst im Fachjournal „ Philosophical Transactions of the Royal Society A“ erschien, belegt dies mit Zahlen.

Die Autoren untersuchten für 122 Länder, wie sich der Klimawandel auf die Ernährungssicherheit auswirkt, wenn sich die Erde um 1,5 beziehungsweise zwei Grad Celsius erwärmt. Beim Klimaabkommen von Paris von 2015setzte sich die Weltgemeinschaft das Ziel, den Anstieg der Erdtemperatur auf diese Werte zu begrenzen.

Extremwettersituationen wie Fluten und Dürre

Das Ergebnis: Selbst wenn das Zwei-Grad-Ziel durch aggressive Maßnahmen zum Klimaschutz eingehalten werden kann, ist die Ernährung in vielen Weltgegenden gefährdet. Hauptursache sind Extremwetterereignissewie Dürren oder Überschwemmungen, die mit steigender Erdtemperatur zunehmen. Asienetwa wird unter verstärkten Niederschlägen leiden.

Sie könnten die Wassermenge im Ganges verdoppeln, was die Überflutungsgefahr entlang des Flusses erhöht. In Afrika und Südamerika dagegen drohen ausgedehnte Trockenphasen, die den Pegel im Amazonas um 25 Prozent sinken lassen könnten. Für Nordamerika, China, Nordasien, dem nördlichen Südamerika und Europawiederum werden Hitzewellen, die viele Todesopfer fordern dürften, zum Hauptproblem.

Frauen und Mädchen sollten global gleichberechtigt sein

Stanford-Wissenschaftler Ehrlich beschränkt sich indes nicht nur auf seine Warnungen vor dem drohenden Menschheitsdesaster, er nennt auch mögliche Lösungen. So will er mit der Organisation „Millennium Alliance for Humanity and the Biosphere“, der er als Präsident vorsteht, „die Bedrohung durch einen welterschütternden Kollaps der Zivilisation reduzieren“.

Dabei müsse man mit einer Familienplanung beginnen, die für alle Menschen Zugang zu modernen Verhütungsmittelngewährleistet und notfalls auch Abtreibungen ermöglicht. Weiter sollten Frauen und Mädchen global gleichberechtigt sein und ebenso behandelt und bezahlt werden wie Männer.

„Ich hoffe, dass dies zu einer ausreichend niedrigen Geburtenrate führt und die Weltbevölkerung in der Folge schrumpft“, betont Ehrlich. „Doch die Menschheit auf humane Weise so zu reduzieren, dass sie nachhaltig leben kann, wird sehr lange dauern.“  
Ähnlich wichtig, so Ehrlich weiter, sei eine nie da gewesene Umverteilung des Reichtums. Nur so lasse sich der exzessive Konsum und damit die Verschleuderung der planetaren Ressourcenstoppen.

Doch es sei unwahrscheinlich, dass dies gelingt, weil die Reichen das globale System lenken – und dazu jährlich das „Weltzerstörer-Treffen“ in Davos veranstalten –, gesteht der Forscher zu.  Könnte er mit seinen Prognosen und Überlegungen wieder daneben liegen, wie vor 50 Jahren mit der „Bevölkerungsbombe“? „Natürlich wird kein Wissenschaftler nach einem halben Jahrhundert weiterer Erfahrungen noch die gleichen Ansichten haben“, entgegnet Ehrlich.

„Doch Anne und ich sind immer noch stolz auf das Buch.“ Es habe geholfen, eine weltweite Debatte über zentrale ökologische Fragen und die Auswirkungen der wachsenden Weltbevölkerung zu beginnen, die bis heute anhält. Seine Botschaft gelte noch immer, was Ehrlich eher ungehobelt ausdrückt: „Zeige mir einen Wissenschaftler, der behauptet, es gebe kein Bevölkerungsproblem, und ich zeige dir einen Idioten.“

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Schweinderl