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Diese Merkmale deuten auf Folter von Assange hin


Als unmittelbarer Augenzeuge der Anhörung im Magistrates Court (erstinstanzliches Gericht) von Westminster hat der frühere britische Botschafter Craig Murray – heute Dissident und Menschenrechtler – in einem Interview für Sputnik seine „äußerste Besorgnis“ um den Zustand des WikiLeaks-Gründers Julian Assange zum Ausdruck gebracht.

Menschenrechtler sorgen sich zunehmend um den psychischen und physischen Zustand von Julian Assange, während führende westliche Medien ihre Kampagne zur Dämonisierung fortsetzen und über seinen schlechter werdenden Gesundheitszustand lästern.

Wie haben die Ereignisse im Vorfeld der Anhörung am Montag den physischen und psychischen Zustand Julian Assanges beeinflusst?

Ich war erschüttert, als ich ihn am Montag im Gericht sah. Sein Äußeres hat sich sehr verändert. Er ist 20 Jahre älter geworden, seit ich ihn zum letzten Mal gesehen habe. Nach seiner Festnahme hat er 15 Kilo oder noch mehr abgenommen – gerade während seines Aufenthalts im Gefängnis Belmarsh. Und das binnen von nur wenigen Monaten! Seine Haare fallen aus. Viele Merkmale deuten darauf hin, dass er vorzeitig und schnell altert. Er humpelt stark, was ich früher, bevor er ins Gefängnis kam, nicht bemerkt hatte.


Aber vor allem beeindruckt nicht sein physischer, sondern sein Geisteszustand: Als er nach seinem Namen und dem Geburtsdatum gefragt wurde, musste er einige Sekunden darüber nachdenken und konnte sich nur schwer daran erinnern.

Als er versuchte, am Ende der Sitzung etwas zu sagen, als er gefragt wurde, ob ihm der Sinn der Anhörung klar sei, antwortete er negativ und erklärte, er könne unter solchen Bedingungen nicht denken. Dann riss er sich doch zusammen und versuchte, eine Erklärung über die Ungerechtigkeit der Gerichtsverhandlungen und den Mangel an Mitteln zu machen, die ihm für die Vorbereitung seiner Verteidigung zur Verfügung gestellt worden waren. Er versuchte aus aller Kraft, zu sprechen und die Wörter in einen Satz zu fassen, konnte seine Gedanken aber doch nicht richtig formulieren.

Wissen Sie, das ist der klügste und eloquenteste Mensch, dem ich je begegnet bin. Er wurde aber vom Staat total fertig gemacht, bis hin zu einem solchen Zustand, wo er nicht einmal sprechen und die Gerichtsverhandlungen verfolgen kann. Ich war äußerst beunruhigt.

Der UN-Sonderberichterstatter zum Thema Folgern, Nils Melzer, hatte im Juni einen Beitrag unter dem Titel „Demasking the Torture of Julian Assange“ veröffentlicht. Lässt sich der Umgang der britischen Behörden mit Assange Ihres Erachtens als „Folterung“ bezeichnen?

Ich bin sicher, dass dies als Folterung eingestuft werden kann. Ich meine, ich weiß nicht, was mit ihm gemacht wird. Ich weiß, dass er sich in totaler Isolation befindet, dass er aufmerksam beobachtet wird. Er darf 45 Minuten spazieren gehen. Wenn er irgendwohin geführt wird, werden alle anderen Zellen geschlossen, und alle Menschen müssen den Korridor verlassen, damit Assange keinen Kontakt mit anderen Häftlingen hat. Während des Spaziergangs sind seine Kontakte mit anderen Häftlingen äußerst beschränkt und werden streng kontrolliert. Natürlich ist ein langer Aufenthalt in der Einzelzelle eine Form von Folter, aber wie er noch schikaniert wird, weiß ich nicht. Als ich im Gericht seinen physischen Zustand und die Symptome von Foltern sah, konnte ich kaum glauben, dass die absolute Isolation das einzige ist, dem er ausgesetzt ist.

Ich bin äußerst beunruhigt, denn ich habe immerhin mit Opfern von Foltern gearbeitet. Ich besuchte Gerichtsprozesse in Usbekistan, wo Menschen sehr grausam schikaniert wurden; ich arbeitete mit Menschen in Sierra Leone und anderen Ländern, die Foltern überlebt hatten, und kann sagen: Was ich gesehen habe, lässt mich an das Schlechteste glauben.

Ich weiß, wie sich Menschen verhalten, die grausam gefoltert wurden, und Julian verhält sich genau wie ein gequältes Opfer. Bei ihm sind alle Symptome des Folteropfers offensichtlich: Er ist desorientiert, versteht nicht, was los ist, kann seinen Willen kaum demonstrieren und seine Gedanken nur schwer formulieren.

Nils Melzer, der UN-Berichterstatter zum Thema Folgern, hat genau dasselbe bemerkt. Es bestehen keine Zweifel, dass vor uns ein Folteropfer ist.

Laut dem Reporter John Pilger hat Assange in Großbritannien wenigstens den „Funken der Hoffnung“ auf eine faire Gerichtsverhandlung, während er in den USA überhaupt keine Chance hätte. Glauben Sie, dass Großbritannien so gnädig gegenüber dem Reporter ist?

Ich glaube, im Rahmen der Gerichtspraxis gibt es keinen großen Unterschied. Es wurde klar, dass sich dort kein Platz für die Rücksichtnahme auf rechtliche Umstände findet. Das Verhalten der Richterin war einfach schändlich. In jedem konkreten Fall entschied sie sich einfach für die Anklagebehörde, ohne die Gründe zu erklären, und weigerte sich unter anderem, der Verteidigung einen Monat Zeit für die Vorbereitung der wichtigsten Beweise aus dem spanischen Gericht zu geben, wiederum ohne ihre Motive zu erklären. Bis dahin war aber schon offensichtlich, dass dies nichts als eine Farce war.

Ich denke, in den USA, vor Gericht höchster Instanz, wird er am Ende gewinnen, denn der erste Verfassungszusatz in den USA ist die absolute Stütze der amerikanischen politischen Gesellschaft. Ich denke nicht, dass solche Angriffe gegen den Mann, der die Wahrheit veröffentlichte, am Ende vor Gericht höchster Instanz behandelt werden. Aber in Amerika sind die Gefängnisse sogar noch schlimmer als in Großbritannien. Und ich bin mir praktisch sicher, dass Julian keine Möglichkeit bekommen wird, seinen Freispruch noch zu erleben.

Wie stark ist die US-Justiz in den Assange-Prozess involviert?

Einer der am meisten schockierenden Momente der Gerichtsverhandlung am Montag war, dass dort fünf Vertreter der US-Regierung dabei waren. Sie wurden zugelassen und saßen im Gerichtssaal hinter den Juristen. Sie gaben unverhohlen den Juristen der Anklage unverhohlen Hinweise. Dabei gab nicht der britische Königliche Dienst der Strafverfolgung dem Rat der Staatsanwaltschaft Hinweise, sondern unmittelbar die US-Regierung.

Und ich muss sagen, dass ich dabei Augenzeuge war. Während der Gerichtsverhandlung kam ein Anwalt der Anklage, der gewisse Hinweise von den Amerikanern erhalten hatte, und richtete sie dem Juristen aus, der der Richterin offen erklärte, er handele „im Auftrag derjenigen, die hinten sitzen“. Hier muss etwas erläutert werden: Die Anklage ließ sich nicht von der britischen Staatsanwaltschaft beraten, sondern von der US-Botschaft. Diese Beratungen fanden nur wenige Meter von dem Platz statt, wo ich saß, so dass ich einige Details gehört und gesehen habe. Und auch die Tatsache selbst, dass US-Beamte das Vorgehen der britischen Staatsanwaltschaft im Gericht kontrollieren, ist äußerst beunruhigend.

Und am Ende hat die Richterin jedes Argument der Anklage widerspruchslos akzeptiert, ohne dabei die Gründe zu erklären. Sie entschied sich in jedem Punkt für die Anklage und gegen die Verteidigung, ohne sich die Mühe zu geben, die Argumente der Verteidigung zu berücksichtigen und ihre Entscheidungen zu erläutern. Im Grunde bekam die Richterin Hinweise unmittelbar von der amerikanischen Regierung.

Im Grunde genommen passiert das alles vor den Augen der führenden Massenmedien und der Gerichtssysteme vieler Länder. Wie konnten sie es nur erlauben, dass der Prozess gegen Assange ohne richtige Kontrolle verläuft?

Das ist großenteils mit der Dämonisierung Julian Assanges verbunden, die schon seit zehn Jahren dauert. Wenn man auch seine Anklage in Schweden und seine Dämonisierung seitens der Massenmedien berücksichtigt, dann kann man feststellen, dass viele Menschen – Vertreter der Mittelklasse, Journalisten, die von der so genannten „liberalen Gesellschaft“ infiziert wurden – ihn als Hassobjekt betrachten. Sie machen sich keine Sorgen darum, dass er gefoltert wird, und freuen sich sehr auf seine Vernichtung, selbst wenn das am Ende die Medienfreiheit zerstört. Ich finde das absolut einmalig. Und natürlich hatte Julian Recht. Er sagte immer, der Grund, warum er das Gelände der Botschaft Ecuadors betreten hätte, bestände nicht darin, dass er nicht nach Schweden wollte, sondern dass er die Auslieferung in die USA fürchtete. Und jetzt, nachdem er verhaftet wurde, wurde die schwedische Anklage fallengelassen.

Schweden besteht nicht mehr auf seiner Auslieferung. Das einzige, was vor Gericht zitiert wurde, war, ob er für die Veröffentlichung von geheimen Informationen über Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan in die Vereinigten Staaten ausgeliefert werden sollte, wie auch für die Veröffentlichung von amerikanischen diplomatischen Telegrammen, die er von Chelsea Manning erhalten hatte. Und das ist ein Beweis dafür, dass es die Wahrheit ist. Die schwedische Anklage war nichts als ein Vorwand, der aus den Fingern gesogen wurde. Sie war nie wirklich ernst. Sie war nur nötig, um ihn zu fassen und in die USA auszuliefern. Und die Unfähigkeit der britischen Medien, das anzuerkennen, Julians Dämonisierung zu unterbinden und ehrlich zu erzählen, was eigentlich vorging – das war ja die richtige Schande. Ich muss mich sehr wundern, dass die Mainstream-Medien nichts über die Ereignisse im Gerichtssaal am Montag berichteten.

Reposted bywikileaksp125

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