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October 23 2019

… dieses System Merkel hat unser Land unter ihrer Kanzlerschaft in ein politisches Laisser-faire getrieben, einen stumpfsinnigen Fatalismus, der nichts anstrebt, nichts erreichen will, keine Ziele hat – außer dem Ziel natürlich, sich möglichst lange an der Macht zu halten. Dabei ist es gerade die Tatsache, dass diese erhaltene Macht zu nichts verwendet wird, keinem Zweck oder Ideal dient und einfach nur da ist, die viele Kritiker in die Heimlichkeit treibt.
— Gertrud Höhler
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October 14 2019

Das unablässig zu hörende Wort »menschenverachtend« fungiert als Gegenbegriff zu »Anerkennung des anderen«, aber auch zu »hilfsbereit« und »verantwortungsbewußt«. Wer sich darauf besinnt, was die Neuschöpfung »menschenverachtend« heißen soll, bemerkt, daß Verachtung ohnehin nur Menschen betreffen kann, denn nur Menschen sind Wesen, die Achtung beanspruchen dürfen – anders als die Mißachtung, welche sich auch gegen Dinge, Worte und Sachverhalte richtet. Warum einen solchen Pleonasmus erfinden? Alle Menschen zu verachten will das Wort nicht meinen, denn eine solche Einstellung ist extrem selten und zudem radikal apolitisch. Einige Menschen zu verachten ist aber im sozialen Leben unvermeidbar. Welchen politisch diskretionären Sinn soll ein Wort haben, das etwas benennt, was ein jeder von uns tut? Offensichtlich bezeichnet das Wort nichts zu Definierendes. Es ist ein »Blindbegriff« oder ein Quatschwort. Es wird dennoch gebraucht, um Aussagen und Einstellungen zu denunzieren, die einen genauen politischen, soziologischen oder pädagogischen Gehalt haben. Indes, die Denunziation ist nicht imstande, das Delikt des Denunzierten zu benennen. Genau das ist aber ausreichend in einer Kultur des generalisierten Verdächtigens.

Einen besonderen Status in dieser demagogischen Lexik besitzt das Wort »fremdenfeindlich«. Damit werden Menschen tituliert, die gar nicht selten fremde Sprachen sprechen, in fremde Länder reisen und sich für fremde Kulturen interessieren, die jedoch der Ansicht sind, ihr eigenes Land solle nur eine eng begrenzte Anzahl von Fremden als Zuwanderer aufnehmen. Indes, auch Menschen, die Fremden in der eigenen Stadt freundlich entgegenkommen, ihnen hilfsbereit die Wege weisen, fallen unter das Verdikt der »Fremdenfeindlichkeit«, falls sie weitere Zuwanderung für ein Übel halten, weil sie das Anwachsen von Parallelgesellschaften vorantreibe. »Fremdenfeindlich« ist jedoch auch, wer einerseits die Zuwanderung von Ostasiaten begrüßt und wünscht, weil sie in den Schulen und Universitäten glänzende Leistungen erbringen und hinterher Berufe ausüben, die der Ökonomie des Landes guttun, anderseits den Zuzug solcher Migranten mißbilligt, deren Bereitschaft zu schulischer, kultureller und politischer Integration generell niedrig oder vollkommen negativ ist. [...]

Sinnentleerte Worte wirken dann, wenn es auf die Semantik nicht mehr ankommt. Die Floskeln sind ein besonderes semiotisches Phänomen; sie fungieren als verbale Signale, die sobald sie erklingen, ein ganzes Set von Vorstellungen bei den Adressaten aufrufen. Indem die appellative Floskel die Semantik negiert, bietet sie dem Denken keinen Anhalt, stattdessen zielt sie auf den Reflex, den Vorstellungen auslösen, genau wie die Demagogie. Diese Vorstellungen müssen im Denkvorrat der Bürger, egal ob akademisch ausgebildet oder nicht, zuvor aus den Versatzstücken unterschiedlichster Diskurse und Doktrinen konfiguriert sein. Und das besorgt jene gutmenschliche Leitmoral, die Arnold Gehlen als »humanitaristische Ideologie« bezeichnete. Die Medien benutzen diese asymmetrischen Gegenbegriffe in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Die Politiker des Mainstreams tun es ihnen nach; und ein Teil der universitären Elite will nicht zurückstehen, schon deswegen nicht, weil Professoren habituell nicht mit Mut gesegnet sind.

Aus: Egon Flaig, „Die Niederlage der politischen Vernunft“

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October 10 2019

Anhänger des Populismus: Woher ihre Motivation kommt


Der Bürger bezahlt Steuern, und er bekommt vom Staat etwas dafür: Sicherheit, Vorsorge, Schutz von Freiheit und Leben. Wenn er plötzlich sieht, dass er nur noch zahlt, ohne dafür das Versprochene zu erhalten, beginnt er an den Institutionen zu zweifeln.

Der Wähler in Europa ist ein undankbares Geschöpf. Nie war der Lebensstandard höher, die Demokratie verbreiteter, gab es mehr Freiheiten. Trotzdem erdreistet sich ein immer höherer Prozentsatz, sogenannte populistische Parteien zu wählen. Das kann nur mit den sozialen Netzwerken zusammenhängen, welche die Menschen mit Fake-News aufhetzen. Vermutlich spielt auch eine Rolle, dass sich viele als Globalisierungsverlierer fühlen und mit den Änderungen unserer modernen Gesellschaft nicht mehr zurechtkommen. Sie sind leichte Beute für populistische Rattenfänger. Stimmt’s?

So etwa lauten die Begründungen derjenigen – nennen wir sie Establishment –, die ratlos vor dem Phänomen erstarkender populistischer Parteien in immer mehr Ländern des Westens stehen. Was aber, wenn das Establishment selbst Ursache des Wählerverhaltens ist, das es beklagt?

Vielleicht haben diese Populisten das Gefühl, dass der Gesellschaftsvertrag vom Establishment zunehmend zu ihren Lasten abgeändert wird, ohne dass sie dazu befragt werden. Bei aller berechtigten Kritik an dem Konstrukt eines Gesellschaftsvertrages konnte man bisher davon ausgehen, dass zumindest in westlichen Gesellschaften tatsächlich eine Art ungeschriebene Vereinbarung gegeben war.

Dieser «consent of the governed» erlaubte es den Regierungen, im Rahmen der verfassungsmässigen Ordnung neue Regeln zu erfinden. Dies scheint inzwischen immer weniger der Fall zu sein. Um zu ergründen, warum das so ist, ist ein Perspektivwechsel hilfreich.

Die Einwanderung

Versetzen wir uns in die Lage eines gewöhnlichen Bürgers, also eines angeblichen Vertragspartners dieses Gesellschaftsvertrages. Diesem Bürger, etwa einer Verkäuferin im Supermarkt (es könnte auch ein Verkäufer sein), erzählt man nun, sie sei schuld daran, dass Menschen in Afrika und Asien in Armut lebten, und müsste daher die Benachteiligten dieser Welt in grosser Zahl aufnehmen. Wie viele genau, bleibt offen. Grenzen seien von gestern, heute sei die Welt offen und tolerant. Ausserdem sei das gut für die Wirtschaft und die Rente.

Die Verkäuferin fragt sich, was genau ihre Schuld sein soll und ob die Neuankömmlinge tatsächlich Wirtschaft und Rente stabilisieren. Nach ihrer Beobachtung arbeiten viele nicht, sondern beziehen Sozialleistungen. Sie hat zeitlebens in die sozialen Sicherungssysteme einbezahlt und kann sich nun leicht ausrechnen, dass bei einer immer grösseren Zahl von Nutzniessern, die nicht einbezahlen, für sie am Ende weniger übrig bleibt.

Mit Sorge betrachtet sie auch, dass viele Zuwanderer Muslime sind, deren Ideologie nicht unbedingt zur Landeskultur passt, etwa was die Stellung der Frau, das Verhalten gegenüber Andersgläubigen und das Aushalten von Kritik an ihrer Religion angeht. Sie befürchtet, dass das noch erhebliche Konflikte geben wird, was gegenüber dem bisherigen Leben eine deutliche Verschlechterung bedeutet.

Unsere Verkäuferin sieht weiter, dass ihr Supermarkt jetzt einen Sicherheitsdienst hat, das war früher nicht der Fall. Auch bemerkt sie, dass zahlreiche Zuwanderer gegenüber Frauen wenig bis gar keinen Respekt an den Tag legen. Sie ärgert sich auch, dass sie nicht mehr allein durch den Stadtpark joggen oder im Sommer unbeschwert knappe Kleidung tragen kann. Immer seltener hört sie ihre Muttersprache in den Schlangen an den Kassen. Sie fragt sich, wie sich Menschen überhaupt noch an Gesetze halten sollen, wenn sie sie nicht kennen, noch nie von ihnen gehört haben, sie nicht mal lesen können?

Unsere Verkäuferin hat wie viele gelernt, ihren Unmut zu diesen Themen nicht mehr offen zu äussern. Eine ehemalige Freundin hat ihr vorgeworfen, «rechts» zu sein, und ihr deshalb die Freundschaft gekündigt. Auch erwartet der Eigentümer der Supermarktkette von seinen Mitarbeitern ein Bekenntnis zu Ausländerfreundlichkeit und Diversität. Würde sie sagen, dass sie eine Partei wählt, die sich dagegen ausspricht, wäre ihr Arbeitsplatz in Gefahr.

Der Sozialstaat

Bisher konnte die Bürgerin davon ausgehen, dass sie in einem (National-)Staat lebt. Nach der Drei-Elemente-Lehre von Georg Jellinek versteht man darunter ein soziales Gebilde, dessen konstituierende Merkmale ein von Grenzen umgebenes Territorium (Staatsgebiet), eine darauf als Bevölkerung ansässige Gruppe von Menschen (Staatsvolk) sowie eine auf diesem Gebiet herrschende Regierung mit Gewaltmonopol sind (Staatsgewalt). Aussenstehende konnten nur unter bestimmten Voraussetzungen Mitglied des Staatsvolkes werden; die Voraussetzungen dafür wurden vom Staatsvolk beziehungsweise dessen Vertretern festgesetzt.

Aus dieser Stellung als Staatsbürger ergeben sich konkrete Rechtspositionen. Denn die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln einer Gesellschaft, ihre Institutionen, ihr Sozialsystem sowie ihre Infrastruktur wurden meist über einen langen Zeitraum aufgebaut und finanziert.

Wer daran als Bürger mitgewirkt hat, auch wenn es durch erzwungene Steuer- und Abgabenzahlungen war, hat eine eigentumsähnliche Rechtsposition erworben. Neben der sozialen Sicherung sind dies Nutzungsrechte an Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, öffentliche Strassen und Gebäude), Hilfe im Ausland (Botschaften, Konsulate) und vor allem Sicherheit (Polizei, Armee, Grenzschutz).

Wer nun fordert, jeder Beliebige dürfe an dieser eigentumsähnlichen Rechtsposition durch Einwanderung partizipieren, unterscheidet sich im Prinzip nicht von einem Kommunisten, der verlangt, jeder müsse seine Wohnung und sein Vermögen mit allen Bedürftigen teilen. Das ist faktisch eine Teilenteignung der bisherigen Bevölkerung.

Eine Menschenrechtsideologie, die von angeborenen (Teilhabe-)Rechten spricht und den Eindruck erweckt, man könnte solche Rechte wie persönliches Eigentum besitzen und an jeden beliebigen Ort der Erde mitnehmen, verkennt: Rechte sind Verhältnisse zwischen einem, der ein Recht beansprucht, und einem anderen, der diesen Anspruch anerkennt.

Wenn jemand ein bedingungsloses Recht auf eine materielle Zuwendung hat, etwa ein Zuwanderer auf Teilhabe am Sozialstaat, muss es jemand anderen geben, der eine Pflicht hat, diese zu erbringen, und zwar ohne dafür irgendwelche Rechte zu erhalten, da sie ja auf der anderen Seite bedingungslos sind. Ein solches Postulat ist nicht nur rechtlich, sondern auch moralisch ein äusserst fragwürdiges Unterfangen.

Der bisherige gesellschaftliche Deal, dass die Regierung versucht, den Wohlstand der Regierten im Rahmen der gegebenen Normen zu mehren, wurde einseitig aufgekündigt. Die neuen Regeln lauten, dass eine beliebige Anzahl von Aussenstehenden jetzt Anspruch hat, an dem von den Regierten erschaffenen Wohlstand zu partizipieren, und dass die eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Normen nicht mehr für alle verbindliches Leitbild sind.

Aber gehört nicht zu Freiheit und Selbstbestimmung auch das Recht, darüber zu entscheiden, mit wem man zusammenleben will?

Das Geld

Aber das ist noch längst nicht alles, was unserer Verkäuferin zugemutet wird. Sie mag von Cantillon-Effekt und Geldmengentheorie noch nie etwas gehört haben. Was sie aber merkt, ist, dass die Mieten immer teurer werden, ihr Einkommen aber nicht im gleichen Masse steigt. Das ist kein Wunder, denn die Geldplanwirtschafter haben Null- oder gar Negativzinsen festgelegt. Noch ein historisch einzigartiges Experiment, dessen Verwerfungen unsere Verkäuferin ausbaden muss.

Da aus Anleihen und Spareinlagen keine nennenswerten Zinserträge mehr zu generieren sind, legen alle, die es können, in Immobilien an. Das steigert die Immobilienpreise und letztlich auch die Mieten. Der Traum vom Eigenheim rückt für immer grössere Bevölkerungsschichten in immer weitere Ferne. Auch was man unserer Verkäuferin bisher erzählt hat, dass sie sparen und für ihr Alter vorsorgen müsse, erscheint nun zunehmend sinnlos. Sie weiss nicht einmal mehr, ob ihre Währung in zehn Jahren noch existieren wird.

Das Klima

Stattdessen ist unsere Verkäuferin jetzt auch noch daran schuld, dass sich das Weltklima ändert, und soll in Zukunft gefälligst auf den hart ersparten Urlaubsflug sowie auf Fleisch und Autofahren verzichten. Ihre ganze Lebensweise soll sie umstellen, weil in hundert Jahren die globale Durchschnittstemperatur um ein bis fünf Grad steigen wird, so genau weiss man das nicht.

Dass bisher sämtliche CO2-Modelle bei der Voraussage der Temperaturentwicklung versagt haben: geschenkt. Dass etwa die deutsche Energiewende bisher 200 Milliarden gekostet hat und der Effekt auf das Weltklima exakt null beträgt: geschenkt. Vielleicht arbeitet ihr Bruder im Kohlebergbau in der Lausitz. Sie kann ihm nicht erklären, warum die Zerstörung seines Arbeitsplatzes sinnvoll ist, obwohl es den Klimawandel in keiner Weise messbar beeinflusst und sich keines der grossen Kohleländer von diesem «Vorbild» anleiten lässt. Das Gefühl einiger hüpfender Kinder und vieler Journalisten, etwas total Gutes getan zu haben, scheint real zerstörte Existenzen mehr als aufzuwiegen.

Fazit

Der bisherige Gesellschaftsvertrag wurde also nicht nur in Randbereichen, sondern grundlegend zulasten der Bürger geändert. Diese müssen nun einen Umbau von Bevölkerung und Lebensweise, ein nie da gewesenes Zinsexperiment und eine Einschränkung ihrer gesamten Lebensweise hinnehmen. Allerdings ohne dass sie dazu um ihre Zustimmung gefragt worden wären.

Was macht nun unsere Verkäuferin, wenn sie damit nicht einverstanden ist? Wenn sie ihr berechtigtes Interesse wahrnehmen will, dass der Gesellschaftsvertrag nicht derart schwerwiegend geändert wird? Was bleibt ihr überhaupt übrig, wenn sie nicht einmal offen diese Meinung äussern kann, ohne Nachteile befürchten zu müssen? Vielleicht ein Kreuz bei populistischen Parteien, die Abhilfe versprechen?

Entweder wir leben in der besten aller Welten und sind voll auf dem richtigen Kurs, oder die Situation hat sich für viele Menschen so zum Nachteil verändert, dass sie an den Institutionen zu zweifeln (oder zu verzweifeln) beginnen.

Beides zugleich ist nicht möglich. Nur eine Seite liegt hier richtig. Ich würde dabei nicht unbedingt aufs Establishment wetten.

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2473 87ca 500
Römer Griechen Engländer : Abholzung wegen Kriegsschiffen...schon vor 2000 Jahren und davor...
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Entspannt absteigen


Selbst in Schwellenländern funktioniert mittlerweile vieles besser. Deutschland lässt sich von autoritären Staaten überholen. Warum gerät hier niemand in Panik, fragt Frederic Spohr

Deutschland, so glauben viele Asiaten noch, ist wie der Nationalspieler Toni Kroos: ehrgeizig, technisch brillant und effizient. Im Ausland wurde ich oft auf die vermeintlichen Qualitäten der Bundesrepublik angesprochen. Irgendwann habe ich selbst daran geglaubt. Dann kehrte ich zurück in meine Heimat. Nach fast sieben Jahren in Asien lebe ich gerade für ein paar Wochen in Deutschland. Ich erwartete ein Land, das sich über eine chaotisch werdende Welt wundert. Das über Trumps Handelskriege, verrückte Briten und dominante Chinesen klagt, aber zumindest seinen eigenen Laden penibel in Ordnung hält.

Ich bin jetzt seit zehn Wochen zurück und weiß, ich habe mich getäuscht. Das Klischee zu Deutschland entpuppt sich als so trügerisch wie die Abgasangaben deutscher Autohersteller. Wer durch das Land reist, egal mit welchem Verkehrsmittel, wer in Amtsstuben oder Bürgercentern etwas zu erledigen hat oder schlimmstenfalls in einem Callcenter anrufen muss, der merkt schnell: Kaum etwas funktioniert. Und wenn doch, dann dauert es ewig. Trotzdem bleiben alle auf beängstigende Weise entspannt.

Lieber beschäftigen sich die Deutschen mit glutenfreier Ernäherung, versuchen, ihre eigenen Gesetze zu verstehen, oder diskutieren über die Macht alter weißer Männer. Was den letzten Punkt betrifft, kann ich dank meiner Erfahrungen in Asien beruhigen: Der alte weiße Mann hat bald ohnehin nicht mehr viel zu sa- gen. Er wird von einer aufstrebenden bunten Jugend verdrängt – und er verdient es nicht besser.

Ich bin Verwaltungschaos und staatliches Versagen gewohnt. In den vergangenen Jahren war ich in Ländern unterwegs, deren Pro-Kopf-Einkommen nur ein Bruchteil von dem Deutschlands beträgt. Bei Projekten musste ich immer mit dem Schlimmsten rechnen: dass ich plötzlich in einem Megastau feststecke; dass die Straße überschwemmt wird, dass ein Zug stoppt, weil er gegen eine Kuh gefahren ist.

Mittlerweile weiß ich: In Deutschland muss ich die gleichen Vorsichtsmaßnahmen treffen. Der ohnehin kaum ausgebaute öffentliche Nahverkehr zu den Berliner Flughäfen ist reines Glücksspiel. Sechsmal bin ich mit der Bahn zwischen Bonn und Berlin gependelt – sechsmal war die Fahrt wegen Verspätungen und Defekten eine Katastrophe. Reisen in die thailändische Provinz sind oft einfacher.

Zwischen meinen Beobachtungen in Asien und Deutschland gibt es aber einen gravierenden Unterschied. Selbst in den ärmsten Ländern der Region lande und starte ich immer häufiger in hochmodernen Flughäfen, habe selbst in entlegenen Gebieten eine 4G-Verbindung und kann viele Geschäfte per Smartphone abwickeln.

Während asiatische Länder alles daran setzen, die Missstände zu beseitigen, passiert in Deutschland genau das Gegenteil. Hier ist man stolz auf das Erreichte, ohne zu merken, dass der Vorsprung wöchentlich schmilzt. Das kann man als satt und zufrieden bezeichnen – oder aber als blind und überheblich.

Erzähle ich Bekannten davon, dass sich die Verkehrssysteme Südostasiens und Deutschlands immer weiter annähern, und zwar von beiden Seiten, reagieren sie nur mit Achselzucken: Die Dysfunktionalität der Deutschen Bahn ist mittlerweile gesellschaftlicher Minimalkonsens und gilt als so unabänderlich wie schlechtes Wetter. Sich darüber zu beschweren ist in vielen Kreisen der Inbegriff des Spießertums.

Meine Erfahrungen mit der Verwaltung sind ähnlich ernüchternd. Für die deutsche Verwaltung stellte es schon eine Herausforderung dar, meine Steuerklasse zu ändern. Einmal wurde ich fünfmal weiterverbunden – bis die Verbindung auf einmal abbrach. Eine Erfahrung, die ich sonst nur bei Recherchen in indischen Ministerien machen musste.

Wer sich darüber beschwert, hört schnell: Kein Wunder, die öffentliche Verwaltung sei in den vergangenen Jahren ja auch kaputtgespart worden. Dass stattdessen Arbeitsprozesse optimiert und digitalisiert werden müssen, ist erst der zweite Gedanke. Vor allem: Wenn der Staat etwas haben will, zeigt er sich überraschend fortschrittlich und entschlossen. Ich habe schon Lohnsteuer gezahlt, da konnte mich noch kein Beamter im Computersystem finden.

Deutschland ist ein schönes Land – tolerant und weitgehend offen, es bietet eine hervorragende Lebensqualität und eine gute soziale Absicherung. Nach den Jahren in Asien blicke ich auf mein Heimatland mit viel Bewunderung, vor allem aber mit großer Sorge. Ich frage mich: Wie lange können wir uns diese Behäbigkeit noch leisten?

In Asien wird härter gearbeitet als in Europa. Das gilt nicht nur für arme Näherinnen und Bergmänner. Zu meinem Bekanntenkreis in Asien zählen Naturwissenschaftler, Ingenieure und Programmierer, alle hervorragend ausgebildet. Die meisten von ihnen bleiben in ihrer Heimat und verdienen zunächst weniger als die Hälfte als ein Straßenreiniger in Deutschland. Trotzdem geben sie alles für den individuellen Aufstieg und den ihrer Gesellschaften.

Es gibt einen Grund, warum zahlreiche Chefs von US-Unternehmen mittlerweile aus Indien kommen. Ihr unbändiger Aufstiegswille hat sie aus den staubigen Dörfern des Subkontinents in die Schaltzentren des Silicon Valley getrieben. Frauen in Asien beschweren sich nicht darüber, dass sie nach einem Studium der Gender-Wissenschaften nur unbezahlte Praktikumsplätze bekommen. Sie werden einfach hervorragende Ingenieurinnen oder Programmiererinnen und suchen sich dann einen gut bezahlten Job.

Es ist kein Naturgesetz, dass es den Menschen in Europa besser geht. Deutsche Unternehmen zahlen ihren Angestellten mehr, weil sie noch eine effizientere Infrastruktur nutzen können. Weil ihre Fabrikarbeiter an modernen Maschinen stehen und sie für ihre innovativen Produkte auf dem Weltmarkt höhere Preise verlangen können. Das Land profitiert von seinem großen Vorrat an Kapital, auch dem geistigen. Aber wie lange noch? Kapital bewegt sich dorthin, wo es am produktivsten eingesetzt werden kann. Die Produktivität hat in Deutschland zuletzt kaum noch zugelegt, im vergangenen Jahr stagnierte sie laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sogar. In anderen Staaten nimmt diese Kennzahl regelmäßig zu. Was mich besonders beunruhigt: Ihre Regierungen sind selten demokratisch.

Ich will Freiheit, hohe Arbeitsstandards oder Klimaschutz nicht dem wirtschaftlichen Erfolg opfern. Im Gegenteil: Die Aufgabe meiner Generation wird es sein, diese Ziele im globalen Wettbewerb zu verteidigen. Doch um das zu schaffen, muss sich Deutschland von seiner behäbigen Überheblichkeit verabschieden. Es muss sich künftig intensiver fragen: Welche Regeln schützen und nützen den Bürgern wirklich, und welche haben wir nur aus Bequemlichkeit oder Angst vor Veränderungen?

Besonders stutzig macht mich, dass Deutschland ausgerechnet dort ins Hintertreffen gerät, wo es doch Vorreiter sein will: beim Klimaschutz. In meiner Heimatstadt Calw im Nordschwarzwald wird seit etwa 15 Jahren darüber diskutiert, ob eine Zugverbindung nach Stuttgart wieder in Betrieb genommen werden soll. Für das Vorhaben müsste ein stillgelegter Eisenbahntunnel durchfahren werden. Vor 150 Jahren haben Männer den Tunnel durch den Berg getrieben. Heute könnte die Zugstrecke wieder einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dummerweise nutzt eine Fledermauskolonie den Tunnel als gelegentliches Übergangsquartier. Außerdem haben viele Anwohner Angst vor dem Lärm.

Als Journalist in Asien habe ich einen Artikel über Klimaflüchtlinge geschrieben. Ich traf verzweifelte Menschen in den Slums von Dhaka, die wegen zunehmender Stürme ihre Dörfer verlassen mussten. Wie sollte ich ihnen die Situation in meinem Heimatort erklären? Klar, wir könnten einen Beitrag dazu leisten, dass ihr nicht absauft. Aber denkt doch mal an die Mopsfledermaus-Unterkunft und den Lärm!

Deutschland muss wieder beweglicher werden – und in großen Kategorien denken. Während deutsche Städte panisch Fahrverbote verhängen und dabei wissenschaftlich diskutable Maßstäbe anwenden, setzt man im Fernen Osten auf Technologie statt Ideologie. Kuala Lumpur wird schon bald mithilfe künstlicher Intelligenz des chinesischen Internetkonzerns Alibaba seinen Verkehr lenken.

Der malaysische Regierungschef Mahathir bin Mohamad ist 94 Jahre alt, aber er ist ein größerer Visionär als die halb so alte deutsche Digitalstaatsministerin Dorothee Bär. Wenn sie dann doch einmal von Flugtaxis spricht, wird sie in Deutschland kurioserweise dafür ausgelacht. Durch Singapur sollen noch dieses Jahr testweise bemannte Taxi-Drohnen fliegen. Sie wurden von einem deutschen Start-up entwickelt.

Reposted byschlechtwettersusizerocool911

22% der Muslime in Deutschland lehnen die Trennung zwischen Religion und Staat ab. Die Anzahl ist besonders hoch bei jüngeren Muslimen. 46.7% der Muslime in Deutschland finden, dass Religion wichtiger ist als Demokratie. 10% der Muslime in Deutschland befürworten Körperstrafen im Sinne der Scharia, genauso viele haben eine hohe Distanz zu Demokratie und Rechtsstaat.

Über 50% haben eine mittlere Demokratiedistanz. 50% der Muslime in Deutschland haben einen Hauptschulabschluss oder keinen Abschluss (wobei bei den iranischen Muslimen ungefähr der gleiche Anteil ein Gymnasium besucht wie bei den Deutschen ohne Migrationshintergrund).

40% der Muslime in Deutschland haben eine fundamentale Orientierung, weitere 21.7% haben eine orthodoxe Orientierung. Die freiheitlichen Werte der Aufklärung lehnen also mindestens 61.7% der Muslime in Deutschland mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ab. 40% der Muslime sprechen im Freundeskreis selten oder nie deutsch.

5.4% der Muslime in Deutschland sind islamismusaffin, in der Gruppe der Fundamentalisten sind es 17%. 6% der Muslime sind gewaltaffin, bezogen auf politisch-religiös motivierte Gewalt. 23.8% der jungen Muslime haben antisemitische und/oder antichristliche Vorurteile.

30.8% der Muslime denken, dass man ins Paradies kommt, wenn man im bewaffneten Kampf für den Glauben stirbt. 90.3% der Muslime finden, dass kein Muslim berechtigt ist, im Namen Allahs andere Menschen zu töten.
1.) http://www.bmi.bund.de/…/servlet/con…/139732/publicationFile
/14975/Muslime%20in%20Deutschland.pdf (die PDF Datei vom Deutschen Bundestag müsste im Netz neu gefunden werden, man hat sie entfernt)

2.) http://library.fes.de/pdf-files/akademie/berlin/04705.pdf

Von den 80.62 Millionen Menschen in Deutschland haben 16.5 Millionen einen Migrationshintergrund. Davon sind 4 Millionen Muslime. Es gibt 22.000 bekannte Rechtsextremisten in Deutschland, was einem Anteil von 0.03% an der ethnisch deutschen Bevölkerung entspricht. Die Anzahl stagniert. Es gibt 42.500 bekannte Islamisten in Deutschland, was einem Anteil von 1% an der muslimischen Bevölkerung entspricht. Davon sind ca. 7000 Salafisten, was 0.175% der muslimischen Bevölkerung entspricht. Die Anzahl wächst ständig weiter. Um die Zahlen mal plakativ darzustellen, hätten wir etwa 70 Millionen Muslime in Deutschland würde sich unter den Muslimen ein zweistelliger Bereich herausstellen, die dem radikalen Islam anhängen.

Reposted bysl420 sl420
0597 f789 500
Für Menschen die "da mal reinspüren" anstatt nach zu denken....
0576 8a93 500
Frage immer: "Wem nützt das?"
Reposted byCharmaquestschlechtwettersusisl420

October 06 2019

Wenn Du ein wirklicher Wissenschaftler werden willst, denke wenigstens eine halbe Stunde am Tag das Gegenteil von dem, was Deine Kollegen denken.
— Albert Einstein
2583 4afa 500
Immer diese Verschwörungstheoretiker....
Reposted bykonibongchef
2449 ff6b 500
Und die Rackete darf sich im EU-Parlament beklatschen lassen....was geht hier eigentlich ab?
Reposted bysl420 sl420
Der Sozialismus ist die Philosophie des Scheiterns, das Kredo der Banausen und die Predigt des Neides, mit dem Ziel, das Elend gleichmäßig unter dem Volk aufzuteilen
— Winston Churchill

October 04 2019

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Diego Fusaro, ein angesehener italienischer Experte in Geschichtsphilosophie und Politik mit dem Schwerpunkt auf Kapitalismuskritik, erläutert die Funktion der Gender-Theorie als einen Versuch, etablierte kulturelle Strukturen auflösen zu wollen, um so eine Mentatlität in der Gesellschaft zu etablieren, die sich dem globalisierten kapitalistischen Wirtschaftssystem vollständig fügt und demnach als ein Instrument zur Manipulation des Menschen zugunsten ökonomischer Interessen zu werten ist. - Kritik an der Gender-Theorie von Links.
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Nach vielen Jahren Berufstätigkeit als Fachkraft: Endstation Rente auf Hartz-IV-Niveau (Beitrag vom 13.12.2013)

Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen. Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.

— Bärbel Bohley, Bürgerrechtlerin und Mitbegründerin des Neuen Forums in der DDR
Reposted bytowserbollabollateijakoolsl420Puck152

October 02 2019

September 30 2019

3148 2acc 500
Mein Fernseher sagt...
3104 da31 500
So isses...
Reposted bysl420moebiusp856

September 28 2019

0013 9506 500
Reposted frommangoe mangoe viasl420 sl420
5181 7894 500
"We need to get the kids on board with these paranoid delusions, bring in a transbendering Cabbage Patch Chuckky type creature."
Reposted fromsl420 sl420
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